Nach einem schönen Gespräch

Nach einem schönen Gespräch mit einer jungen, sehr interessierten Vertreterin der Presse – sie antwortet auf die Frage, wie die Menschen im Osten Deutschlands, wo auch sie her stammt, es geschafft haben die Mauer zu Fall zu bringen, mit: „Mit Kerzen und guten Gedanken!“ -  werden wir von Herrn Oberhofer mit der Geschichte von Lechenich bekannt gemacht. Was für eine Fülle an Informationen und Zahlen, Anekdoten und lebendiger Historie. Und was für eine Leidenschaft für das kleine große Lechenich! Da hat Erftstadt keine Chance! Die Zeit und auch die Aufnahmefähigkeit reicht nicht, aber auch so sind wir reich beschenkt.

 

Jetzt gibt es Kaffee und Tee bei Tony und Karin. Wir wärmen uns auf, Olga Lucía, Leila, Ancízar und Amilcar lernen ein weiteres Zuhause ihrer Gastgeber kennen. Wir denken an den nächsten Tag, den Besuch des Braunkohletagebaus in Garzweiler. Unsere Gäste erzählen von Parallelen und auch wesentlich schlimmeren Situationen in ihrem Land: Ausbeutung und Zerstörung der Erde, Vertreibung und Ermordung, korrupte Politiker, die fehlende Stimme der Kirchen. Wir merken, dass ihre Arbeit als Seelsorgerinnen und Seelsorger, als Sozial-, Bildungs- und Gesundheitsarbeiter ganz anders existentiell ist, als das bei uns der Fall ist. Das alltägliche Leben ist durchzogen von Gewalt, Angst und der Zugehörigkeit zu kriminellen Banden, Militär, Paramilitär und Guerrilla. Und wir merken auch, dass sie sich weder abfinden können mit der Situation noch sich daran gewöhnen wollen. Sie fühlen das Leid der Menschen zutiefst mit. Die Erschütterung reicht bis zu uns.

 

Leider macht die Korruption auch vor den Kirchen nicht Halt. Die ökumenischen Entwicklungen von 1968 und 2006 sind zum Stillstand gekommen, weil die finanzielle Unterstützung des Weltkirchenrats in den oberen Etagen hängen blieb. Einen Willen zur Ökumene kann man gerade der katholischen Kirche nicht anmerken.

Was den Menschen Halt gibt, ist unter anderem ihre Bibellektüre, die sie auf ihr ganz persönliches Leben beziehen. Sie werden ermutigt, die Bibel selber auszulegen und sie damit lebendig und wirkmächtig zu machen.

 

Wir spüren, wieviel wir voneinander erfahren und lernen wollen und können uns nicht vorstellen, dass drei Wochen ausreichen sollen für unsere Fragen und Antwortversuche. Was macht man als Methodistenpfarrer in Kolumbien? Wie kommt man dazu, sich als Frau zur katholischen Priesterin weihen zu lassen? Wie ist die Bewegung „Comunión sin Fronteras“ entstanden und was genau macht sie? Wie erträgt man und Frau alltägliche Gewalt?

 

Es fällt uns schwer, uns zu trennen.

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