Wir versammeln uns

Wir versammeln uns mit den zwei sympathischen Dolmetscherinnen Silvana und Benita und den Gästen Annemie, Rosa, Elisabeth, Winfried und Ulrich im Pfarrzentrum St. Barbara in Liblar „zwecks näheren Kennenlernens“. Vorher haben wir bei Kaffee und Kuchen in Sigrids gastfreundlichem Haus in herzlicher Atmosphäre Leilas 70. Geburtstag gefeiert, wobei die Augen des Geburtstagskindes schon mal überliefen.

 

Michael lädt uns ein, aus seiner vielfältigen Mineraliensammlung einen Stein zu wählen und zu erzählen, in welcher Weise dieser Stein in Beschaffenheit und Farben unsere Leben bzw. wichtige Lebensthemen symbolisiert. So machen sich neunzehn Menschen daran, mit tastenden, originellen, wohlgesetzten, anrührenden und inspirierenden Worten etwas über ihr Leben, ihren Glauben, ihr Da-sein in der Kirche zu sagen.

 

Hier eine (unvollständige!) Sammlung von Worten, die gefallen sind, einfach aneinandergereiht:

 

Transparenz – Rebellion – Widerstand – Unfertigkeit – zerbrochen, aber in der Substanz erhalten – scharz und weiß: so ist das Leben nicht – vulkanisch, unfertig trotz vieler Lebensjahre – Schwäche – Stärke – Hoffnung – Geduld – Aushalten, dass Zerbrochenes nicht immer wieder zusammengefügt werden kann, dass es nicht immer Heilung geben kann, wohl aber Heil - die Menschen aushalten, so wie sie sind -  Farben der Heimat – es gehören viele kleine Dinge dazu, den Stein zum Stein zu machen – nur, weil er zerbrochen ist, zeigt der Stein seine innere Schönheit, was in ihm steckt – neue Seiten entdeckt man meist nicht ohne vorhergehenden Schmerz – von Wind und Wasser geformt, von den Umständen dieser Welt – nicht wirklich was Besonderes – aus dem Stein heraus schaut mich Gott auf unerwartete Weise an – die Schönheit geliebter Farben – das Grün der Grünkraft Gottes, wie die Hl. Hildegard sagt, das Rot von Liebe und Energie – enstanden in den tiefsten Tiefen der Erde – aus ferner Zeit - die Liebe als schönstes Geschenk Gottes für die Menschen – Erinenrungen werden wach: Dom Helder Camera in Altenberg: „Hoffnung und Stimme der Stummen sein!“ – unser Leben geprägt und wir ermächtigt von inspirierenden Menschen wie Dom Helder oder Gabriel Diaz oder Bischof Cano – viele ungeordnete Schichten im Stein lassen staunen über die Buntheit des Lebens – Schönheit – Zerbrechlichkeit – unerwartet kann auch ein Stein brechen, wenn er zu fest gehalten wird – sich einlassen auf das Unerwartete – achtsam sein – poliert, glatt, schmeichelnd in der Hand, so ist das Leben nicht!  - erst, wenn er glatt geschliffen ist, zeigt der Stein, was in ihm steckt, aber man muss gut hinschauen – ungeheurer Appetit auf Frieden und auf das Leben – Friede ist die grundlegende biblische Botschaft, die zu sehr aus dem Blick geraten ist – Pax Christi: Mitkämpfer für den Frieden – Erde, bunte Vielfalt – Chaostyp –im Alter geerdet sein – Hoffnung verloren und wiedergefunden – Pigment, intensiv und fragil – schmutzige Finger – Neugier – Respekt vor der Lebenskraft des Steins, die sich im Pigment ausliefert, es durchsetzt den soliden Stein – zuviel Licht lässt die Farbe verschwinden – Geruch des Steins nach Eisen und Erde – rau und uneben, unbewohnbar, so wie die Menschen die Erde zugerichtet haben – Halt, halt die Welt an, ich will aussteigen! – Auf der anderen Seite ist der Stein eben: ich kann doch bleiben, ich muss bleiben und in Hoffnung weiterleben auf diesem Planeten – zerklüftet und mit Löchern, mein Leben – Klüfte überwinden mit lieben Menschen und dem Kampf für Gerechtigkeit – Leben selber gestalten – innere und äußere Autonomie – sich die Dinge handelnd erschließen (P. Freire) – nicht die Grenzen sehen sondern die Möglichkeiten wie Lücken im Grenzzaun – nicht wir, doch unsere Ideale sind jung geblieben, wir wollen weiter am Reich Gottes bauen – unsere jungen Herzen vibrieren von göttlicher Essenz.

 

Die anschließende Diskussion drehte sich um die Kirche und unsere Rolle in ihr. Einige Stichworte:


Die Kirche ist eine schlechte Geliebte. Sie verlangt all unsere Aufmerksamkeit, Liebe, Anstrengung, gibt aber nicht die kleinste Zärtlichkeit zurück, (L. Boff)

Ancízar: In der Kirche habe ich Gott fast verloren, ihn aber dann durch die Befreiungstheologie im Gesicht der Armen wiedergefunden und bin jetzt Lehrer, Priester, Mönch, Begleiter von Gemeinden. OHNE KircheN findet man das Reich Gottes. Kirchen sind zu sehr von macht bestimmt.

Amílcar: Der Ausdruck, „das Reich Gottes BAUEN“ ist missverständlich. In Strukturen/Dogmen/Institutionen erstickt die Spiritualität. Wir müssen uns zurückbesinnen auf Jesus und das Reich Gottes in uns und seine Dynamik. Wir sagen besser: Crear una convivencia libera nueva. Neu und frei das Leben teilen. Danach sehnen wir uns.

Michael: Kirchenstrukturen haben ein großes Angstpotential, stecken uns unter eine Angstglocke von Kindheit an. Man muss die Mechanismen durchschauen, die Kontrolle, Rigidität, den Dogmatismus, die mangelnde Flexibilität und sich befreien. Dann kann man mit all dem spielen, kreativ subversiv sein. Doch von der Hierarchie darf man kein faires Spiel erwarten. Lenken wir unsere Sorge besser auf die Gemeinschaft der Gläubigen, nicht auf die Kirchenhierarchie. Es ist harte Arbeit, sich von der Fixierung auf die Priester zu lösen. Überall, nicht n ur im kirchlichen Rahmen, gibt es Initiativen, die mitbauen am Reich Gottes.

Bernhard, Karin: Da ist viel Trauer.

Michael: Aber die heilige Zorn ist stärker!

Olga: Wir alle sind Kirche. Was uns zutiefst shcädigt, ist die Hierarchie, nicht die Gemeinschaft. Einzig das Gesetz der Liebe brauchen wir. Die Hierarchie konnte uns noch nie erklären, was das Reich Gottes wirklich ist.

Bernhard: Wir sind Bewegung, nicht Institution. Das Himmelreich ist mitten unter uns. (Matthäus). Wir müssen widerständig sein in den Strukturen. (D. Sölle)

Michael: Die Hierarchie ist wie ein Fuchsbau mit endlosen Verzweigungen. Zu unübersichtlich, um wirklich kontrolliert zu werden. Wir müssen lernen, das zu nutzen.

Ancízar: Wir alle sind Füchse. Wir müssen die kleinen Gruppierungen stärken.

Wir kämpfen mit unsichtbaren Waffen.

 

Unsere kolumbianischen Gäste verschenken Mitgebrachtes, Kunsthandwerkliches der Ureinwohner, das sie zu Anfang des Abends in die Mitte des Stuhlkreises gelegt hatten, zusammen mit einer kolumbianischen Fahne und einer Fahne aus bunten Quadraten, die die Vielgestaltigkeit der Menschheit und ihrer sexuellen Orientierungen symbolisiert. So war Kolumbien und seine Menschen den ganzen Abend in unserer Mitte.

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