Heute

Heute waren wir in Gedanken viel bei Wilhelm Hösen, der getsren operiert wurde und eine schwierige Situation zu bestehen hatte. Jetzt wissen wir, dass er wohl Montag wieder nach Hause kommt. Und Gabriel Diaz ist im Krankenhaus, mit einer Lungenentzündung.

 

Rundgang Stolpersteine

 

Zusätzlich zu den Pax Christi-Mitgliedern und unseren Gästen aus Kolumbien kamen heute noch Gäste aus Lechenich dazu: das Ehepaar Marschalleck, Hans Krings und Sarah Göhring sowie Rosa.

Bei einer Tasse Kaffee im Pfarrzentrum von St. Kilian berichtete uns Cornelius Bormann, der mit seiner Frau Heidi ein Buch über die Juden im Erftkreis geschrieben hat, nach einem geschichtlichen Überblick über das Leben der Juden bei uns. Die Zerstreuung der Juden beginnt in der Antike ab 135 im römischen Reich, nachdem sie nicht mehr nach Jerusalem und Palästina durften. Seit den Kreuzzügen der Christen zur Befreiung Jerusalems im Mittelalter gab es Ausfälle gegen die im deutschen Reich angesiedelten Juden, von den Kreuzrittern auf ihrer Reiseroute verübt. Aus dieser Zeit wird in einem Dokument eine Judenverfolgung in Lechenich mit Zerstörung der Gemeinde um etwa 1200 erwähnt. Der erste Name, den wir kennen, ist Minnemannos. Er kaufte ein halbes Haus in Köln, was in einem Dokument festgehalten ist. Als bei der Pest um 1380 ein Drittel der europäischen Bevölkerung starb, wurde das Gerücht verbreitet, die Juden seien schuld. Sie hätten die Brunnen vergiftet, was wieder zu Verfolgungen führte. Dass auch wiederum in Lechenich Juden unter der Verfolgung zu leiden hatten, ist in einem jüdischen Klagebuch verzeichnet. Die Juden lebten trotzdem in enger Gemeinschaft mit der christlichen Bevölkerung. So mischten sie deutsche und rheinische Elemente in ihr Hebräisch, das Jiddisch entstand, das bis ins 20. Jahrhundert im Osten Europas gesprochen wurde, nachdem nach weiteren Verfolgungen viele Juden nach Polen und Osteuropa ausgewandert waren.

Wegen der Spannungen mit der übrigen Bevölkerung hatte der Landesherr den Schutz der jüdischen Bevölkerung übernommen, das war zuerst der deutsche Kaiser. Er stallte Priester, Mönche, Juden und Frauen unter seinen besonderen Schutz. Später übernahmen dies die Landesfürsten.

In Lechenich war das der Erzbischof von Köln, der neben der kirchlichen auch die weltliche Macht besaß und in 15./16. Jahrhundert den Juden seinen Schutz gewährte. Es wurden spezielle Gesetze für sie erlassen, z.B. das Ausgehverbot an einem bestimmten Tag und das Tragen eines gelben Stoffkreises auf der Brust. Sie dienten zu ihrem Schutz.

Bis 1984 Napoleon das Rheinland und damit auch den Herrschaftsbereich des Erzbistums Köln eroberte, Kirche und Staat trennte und eine zivile Verwaltung einführte, hatte es Aufzeichnungen über Geburt, Heierat und Tod nur in den Kirchenbüchern gegeben. Deshalb gibt es bis dahin keine Dokumente für die jüdische Bevölkerung. Die Franzosen betsanden auch darauf, dass jeder einen Familiennamen hatte. Die Stadtbeamten gaben jedem Juden einen Namen, nachdem dieser einem Vorschlag zugestimmt hatte. Aus dieser Zeit stammen Namen wie Rosenzweig und Goldblum. Die Juden durften unter den Franzosen in allen Berufen arbeiten. Davor war ihnen kein Landbesitz erlaubt und auch nicht die Ausübung eines Handwerks, das in christlichen Zünften organisiert war. Sie lebten vorwiegend als Kaufleute, die sonntags bis freitags durchs Land zogen. Für Lechenich ist eine Familie Kahen belegt, die als Pferdehändler in der Judengasse wohnten und den Erzbiscof mit Pferden versorgten. Das 19. Jahrhundert war bis 1870 die große Zeit der Juden in Deutschland, bevor der nationale Antimsemitismus wuchs. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde in Lechenich die Synagoge und die jüdische Grundschule gebaut und es gab jüdische Politiker im Stadtrat. Ab 1900 sank die Zahl der jüdischen Bürger, da sie zum Leben in der Stadt tendierten, wo sie auch akademische Berufe ergreifen konnten. Zu jeder Zeit betrug der Bevölkerungsanteil in Lechenich nie mehr als 2-3 %. Erst nach der Franzosenzeit gab es in Lechenich auch Protestanten.

 

Bei der Besichtigung der Judengasse erfuhren wir von den Aufzeichnungen des katholischen Pfarrers über das Progrom vom 9.11.1938. Jugendliche hatten die Synagoge angezündet, die bis auf die Außenmauern niederbrannte. Polizisten legten sich die Gebetsmäntel um und verspotteten die Juden damit. Die Feuerwehr schützte nur die gegenüberliegenden Häuser vor dem Funkenflug. Der Bürgermeister sah allem wohlwollend zu.

 

Aktion Stolpersteine

Von Günter Demnig

Hermann Göhring gab einen Überblick über dieses Werk des Künstlers Demnig und der Aktion in Lechenich.

Mit der Aktion Stolpersteine begann Demnig 1992. Die Idee: Menschen – Juden, Roma und Sinti, auch andere Verfolgte des Nazi-Regimes - , die im KZ Nummern getragen hatten, sollten ihren Namen zurückbekommen. Bis 2008 gravierte er die Schrift auf den Messingplatten noch selbst ein. Er achtet streng darauf, dass alle Angaben vollständig und geprüft sind. Die ersten Verlegungen waren 1996 in Köln und Berlin, damals noch illegal. 1997 erfolgte dann die erste legale Verlegung in der Nähe von Salzburg, ab 2000 konnten die Steine dann auch in Deutschland mit Erlaubnis verlegt werden. Bis heute hat Demnig 44.000 Steine in 16 Ländern verlegt. Die Stolpersteine sind damit das größte dezentrale Mahnmal weltweit. Es ist in der jüdischen Gemeinde nicht unmstritten. So sprach sich die ehemalige Vorsitzende des Rats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch,  dagegen aus, weil man die Namen mit Füßen trete. Daher gibt es an ihrem Wohnort München keine Stolpersteine. Demnig hält dem entgegen, dass man sich vor den Namen verneigt, wenn man sie am Boden lesen will.

 

Wie überall, wurden die 29 Steine, die Demnig in Lechneich verlegt hat, privat finanziert. 2 der Lechenicher Steine wurden von Pax Christi bezahlt. Die erste Info-Veranstaltung zur Aktion in Lechenich war 2005. Die Kirchen, die Parteien, die Bürgergesellschaft und die Stadtverwaltung waren beteiligt. Bis zum Abschluss der Aktion waren viele Sitzungen und viel Recherchearbeit notwendig, die vor allem von Dr. Füchtner und Prof. Dr. Matzerath getan wurde. Eine wichtige Quele war das Buch der Bormanns. Am 15.12.2006 wurden die ersten 13 Steine verlegt, am 15.5.2007 weitere 8 Steine, am 9.11.2008 die letzten 11 Steine, genau 70 Jahre nach der Reichsprogromnacht. Es hat in Lechenich nie Widerstand gegen die Aktion gegeben.

 

Rundgang durch das jüdische Lechenich

An Stolpersteinen auf der Frenzenstraße und dem Markt vorbei gingen wir in die Judenstraße an den Ort, wo ehemals die Synagoge stand, und hörten den Bericht von ihrem Brand. Am Wokinghamplatz verneigten wir uns noch einmal bewusst vor den Menschen, deren Namen wir auf den Stolpersteinen lasen. Zum Abschluss besuchten wir den neuen jüdischen Friedhof, wo wir im Gedenken den Psalm 16 in Deutsch und Spanisch beteten.

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Kommentare: 12
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