Der Frühling kehrt zurück

Der Frühling kehrt zurück mit strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel. Doch für unsere Gäste aus Kolumbien ist die Luft immer noch recht frisch. Leider müssen Ancizar und Olga heute das Bett hüten, um eine starke Erkältung auszukurieren. Sie werden von einem befreundeten Arztehepaar aus Liblar engagiert und ehrenamtlich liebevoll versorgt. Leila und Amilcar nutzten den schönen Tag, um mit Karin und Tony die Stadt Brühl zu erkunden. Es war für sie eine interessante Begegnung mit der Atmosphäre und Architektur einer historischen Stadt, aber auch Espresso und Eis im italienischen Eiscafé wurden sehr gewürdigt. Leila war begeistert von der Auslage der Blumenläden. Wir machten einige Schritte um das Brühler Schloss und in seinen schönen Park. Auf dem Weg zum Schloss besuchten wir den Eine-Welt-Laden, wo wir unsere Flyer „Alle an einen Tisch“ ausgelegt fanden. Amílcar und Leila konnten hier schon einige Mitbringsel kaufen. An der Jugendkirche St. Maria zu den Engeln trafen wir einen alten Herrn, der gerade eine Kerze an der Gedenktafel für den Bombenangriff auf Brühl 1944 anzündete. Er erzählte, dass er damals mit 14 Jahren beinahe selber Opfer dieses Angriffs geworden wäre. Er hieß uns in seiner Stadt willkommen und betonte, dass man in „Bröhl“ ein gutes „Jeföhl“ bekäme.

 

Auch die Kirche St. Margareta war noch offen, und wir hatten das Glück, einer Probe des Choralchors beizuwohnen. Leila machte eine Kerze an im Gedenken an ihre Mutter und die Mutter von Olga, die beide Margarita hießen.

 

Zurück in Liblar konnten wir ein herrliches Büffet bestaunen, das Rosa mit Wraps voller frischem Salat, Käse und Hühnchen bestückt hatte, sowie mit Hühnerkeulen und kleinen Frikadellen. Zwei Platten voller Herrlichkeiten nahmen wir mit zu Sigrid, wo Tony dann mit vier Frauen noch eine lebhafte Diskussion um den Abendbrottisch erlebte. Olga ließ es sich nämlich trotz Fieber nicht nehmen, mit uns ihre Gedanken über die Würde des Menschen, die Gegenwart Gottes in uns zu teilen. Sie sagte: „Nur wenn es uns gelingt, die Menschen zu überzeugen, dass jede und jeder von uns göttlich ist, Gott in sich trägt, werden Gewalt jeder Art und Kriege aufhören.“ Olga begrüßt die Frauen im Gefängnis bzw. die Frauen, mit denen sie nach der Haftentlassung arbeitet, mit einer Umarmung und den Worten: „Ich ehre Gott in Dir!“

 

Leila sprach von harten Eingriffen der Kirchenhierarchie im Umgang mit Gemeinden in Kolumbien, die von der Befreiungstheologie geprägt waren, von der „Verstümmelung“, die das spirituelle Leben der Menschen erfahren hat. Wir waren uns einig, dass eine weitere Verstümmelung, die die Gläubigen immer noch erleiden, ist, dass die Kirche uns nicht ermutigt, unserer eigenen inneren Stimme, unserer Intuition zu folgen, die doch die göttliche Stimme in uns ist. Sigrid erzählte von den vielen positiven, gemeinsschaftsstiftenden neuen Impulsen, die ihre Gemeinde in Beckum und viele Gemeinden im Bistum Münster durch die Partnerschaft des Bistums mit der Diözese Tula in Mexico bekam. Diese Partnerschaft war während des Konzils zwischen Bischof Höffner und dem Bischof von Tula verabredet worden. Die deutschen Priester, die aus Mexico zurückkamen, brachten viele Ideen der Befreiungstheologie mit, und auch die Ordensschwestern aus Mexico führten in ihrer offenen und menschlichen Art die Menschen zusammen, um sich da zu engagieren, wo es Not tat. So sind viele persönliche Freundschaften entstanden und viele Menschen der Kirche erhalten geblieben, die sich ohne das Beispiel dieser Menschen schon lange abgewandt hätten. Aber auch das ist im Bistum Münster nun schon lange Vergangenheit.

 

Wir konnten uns kaum trennen, es gab zu viel zu erzählen. Aber die späte Stunde und Olgas Erkrankung haben uns dann doch geholfen, uns voneinander zu verabschieden.

 

 

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